Dorfen – Mit einem enorm rasanten Programm voller Überraschungen der TSV Grüntegernbach zum Jahresende bei der Dance & Show Night ein Feuerwerk gezündet, an das man sich erinnern wird. Die Gäste in der ausverkauften Sporthalle der Mittelschule bekamen alles zu sehen: Tänzerinnen, die scheinbar schwerelos durch die Luft fliegen oder, getragen von starken Armen, sich knapp unter der Hallendecke wiederfanden.

Die Sportakrobatik-Formation „The Power“ glänzte mit einer Nummer, die manchem den Atem stocken ließ: Seilhüpfen. Das „Seil“ war aber eine herumgewirbelte Sportlerin. Da wurde manchem klar, warum diese Gruppe schon so viele nationale und internationale Preise eingeheimst hat. Mächtig Kraft entfaltete aber auch Frank Schmidpeter mit seiner Einlage an den Strapaten. Aber die Gäste bekamen auch einen Helden zu sehen: Dergin Tokmak kam auf Krücken auf die Bühne. Kinderlähmung hat ihm die volle Kontrolle über seine Beine genommen. Was er dann aber vorführte, riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin: Breakdance auf seinen silbernen Krücken, derart rasant, derart gekonnt, dass Moderator Walter König zu Recht darauf hinwies, wie viele Stationen er schon erlebt hat. Er war der einzige Künstler auf der Bühne, der zu Wort kam. Und er hatte eine Botschaft: „Die Grenzen“, sagte er, „gibt es nur im Kopf!“ Nach seinen Handständen und seiner hinreißenden Show nahmen ihm das auch alle ab. Er hat noch viel vor, will weitere Künstler mit körperlichen Einschränkungen motivieren. „Tokmak“ ist türkisch und sein bürgerlicher Name. Übersetzt heißt es „Der Hammer“. Der Name ist Programm.

Erotisch wurde es mit „Da F.U.N.K.“, deren Tänzerinnen die ganze Halle einbezogen: Sei es nachtclub-fähig an der Stange mitten im Saal, sei es abenteuerlich am Seil hängend an der Wand, oder dann plötzlich auch mal cool, distanziert, auf der Bühne. Das alles war derart dramatisch aufgebaut, dass die Gäste zeitweise nicht wussten, wohin sie zuerst schauen sollten.

Das war bei „ParDeux“ vom TSV Büchbach schon anders: Die 2014 gegründete Gruppe lieferte mit starken Ausdruckstanz-Einlagen, die sie unter dem Stichwort „Contemporary“ zusammen fasst, einen unbedingten künstlerischen Höhepunkt des Abends, das wohl höchste Niveau. Es stimmte alles, bis hin zur Mimik der Tänzer, die hier eher zu Darstellern wurden, und die gewaltige Gefühle transportierten.

Das konnten die „Hurricanes“ aus Bad Endorf und die Laudonia aus Lauingen zwar auch, kombinierten das aber mit dramatischen Hebefiguren und Würfen, eine „Tugend“, auf die sich König zufolge Dance United aus Wartenberg heuer besonders konzentriert. Das Programm der Wartenberger enttäuschte diesbezüglich nicht, und die Show gelang ihnen auch derart gut, dass nur ganz geübte Blicke den einen oder anderen Schnitzer erkannten.

Überhaupt: Schnitzer: Die beiden Ersthelfer, die für gröbere „Schnitzer“ bereit standen, blieben trotz teilweiser gewagter Figuren, rekordverdächtiger Würfe, dreistöckigen Hebefiguren, arbeitslos und wurden nur beim großen Finale zu einem Dankeschön auf die Bühne geholt. Zuvor aber ließen es die „Magic Dancers“ und die Platzherren von „Members of Dance“ noch einmal richtig krachen, und zwar mit völlig unterschiedlichen Konzepten: Während die „Magic Dancers“ eine eindrucksvolle Tanzchoreographie präsentierten, erzählten die Hausherren eine Geschichte von einem Künstler, dem zunächst nichts einfallen mag, den dann aber die Muse förmlich überrennt.

coypright: Klaus Kuhn | Münchner Merkur

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